Thorsten Wilrodt

In Dharamsala und Goa habe ich bei indischen Yogalehrern gelernt. Davor, von 1994 bis 2010, habe ich an vielen Theatern und bei Festivals Trainings unterrichtet (u.a. Thalia Theater Hamburg, Kampnagel, Oper Hamburg, Staatstheater Hannover, LG Arts Center Seoul, Festival Iberoamericana de Teatro de Bogotá).

Ich praktiziere Yoga seit 1991 und unterrichte seit 1994. Zu Anfang war Yoga Teil eines Trainings, an dem ich als Performer auf Kampnagel täglich teilgenommen habe. Die Trainerin sprach nicht darüber, woher die Übungen und Abläufe kamen, aber ich merkte bei mir und meinen Theaterkolleg:innen, dass sie guttaten und uns beruflich äußerst hilfreich waren. Wir waren Tänzer, Sänger und Schauspieler, und alle waren wie beseelt, während und nach dem Training. Es dauerte drei bis vier Stunden, danach haben wir gegessen, den Probenraum gewischt und vorbereitet und mit der Probenarbeit begonnen. 

Ich hatte bis dahin schon 15 Jahre Ballett hinter mir und war immer viel gelaufen, vor allem lange Strecken. Auch tägliche 10-km-Läufe und minutenlanges Seilspringen waren feste Bestandteile der täglichen Trainingsarbeit.

Als ich unsere Trainerin an einem Morgen interessehalber nach den Ursprüngen der täglich praktizierten Übungen fragte, bekam ich keine Antwort. Dafür am nächsten Tag ein kleines Heftchen und einen Bleistift von ihr geschenkt, mit den Worten, hier solle ich meine Fragen hineinschreiben, die ich ans Leben und an die Arbeit habe, sie würden sich eines Tages von selbst beantworten. Dieser Moment hat meine Arbeit und mich nachhaltig geprägt. Und sie hatte recht. Ich habe immer viel gefragt und tue das auch heute noch, und viele Antworten sind zu mir gekommen. Ich habe mich damals auf die Suche begeben, eine lebenslange Suche. Dabei hatte ich das Glück, dass ich in meiner Theaterarbeit (als Regisseur / Schauspieler / Komponist / Musiker / Trainer / Autor) viel ausprobieren durfte und darin von anderen KünstlerInnen unterstützt und gefördert wurde. Im Austausch ist ein variabler Übungskanon entstanden, der auf viele Eventualitäten und Menschen anwendbar ist und sich wunderbar mit Yoga verbindet.

Nach zwei Jahren Zusammenarbeit, 1994, ging ich meine eigenen Wege und begann, Trainings zu unterrichten und andere Einflüsse einzubinden, die ich für nützlich hielt. Diese Unterrichtsarbeit führe ich bis heute fort.